Page 24 - Jerusalem Lyrikbuch
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Gottes Stadt hat keine Ghettos


                  Gottes Stadt hat keine Ghettos

                  Niemand wird dort ausgegrenzt

                  Keiner muß im Schatten leben,
                  den ein andrer auf ihn wirft


                  Gottes Stadt hat offne Häuser,

                  die nicht nur Fassaden sind,
                  wo man beieinander wohnen

                  und ein Mensch ein Mensch sein kann


                  Gottes Stadt kennt wohl Graffiti,

                  doch kein Feindbild an der Wand

                  und statt bittrer Haßparolen

                  sieht man Mauerblumen blühn

                  Gottes Stadt hat keine Ghettos

                  Niemand wird dort eingezwängt,

                  hinter Stacheldraht und Armut
                  eingeengt in alter Angst


                  Gottes Stadt hat offne Räume,
                  Freundschaftsstraßen, Platz genug,

                  atmet Stille, atmet Lachen

                  in dem Licht, das in ihr wohnt


                  Gottes Stadt ist nicht ein Traum bloß,

                  doch noch kann sie der nur sehn,

                  der sie baut mit Herz und Händen,

                  die er zur Versöhnung reicht




                  Hugo vom Narrenkreuz


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